Spielvorschau NLB: SG Wädenwil/Horgen – Handball Stäfa

Datum: 15. Oktober 2020

Ein historisches Seederby steht an

Erstmals seit Gründung der Spielgemeinschaft empfängt Wädenswil/Horgen als Leader der NLB am Samstag die Stäfner. Die Trainer der beiden Teams erwarten ein hochstehendes Duell.

Jedes Derby zwischen der SG Wädenswil/Horgen und Handball Stäfa ist etwas besonderes. Jenes vom Samstag wird allerdings in zweierlei Hinsicht in die Geschichtsbücher eingehen. Zum einen aufgrund der sportlichen Ausgangslage, zum anderen wegen der Corona-Pandemie. Ersteres ist für die beiden Mannschaften und ihre Anhänger erfreulich, Zweiteres soll die Vorfreude auf die Partie nicht mindern.

Stäfa tritt als Tabellenvierter der NLB auf der anderen Seite des Zürichsees an. Erstmals in diesem Jahrhundert sind die Gelbschwarzen vor einem Spiel in Horgen oder Wädenswil hinter den Gastgebern klassiert. Und die linksufrige Spielgemeinschaft, die im Sommer 2018 mit der Zusammenlegung der Leistungsteams des HC Horgen und des HC Wädenswil entstanden war, empfängt den Lokalrivalen zum ersten Mal in ihrer noch jungen Geschichte als Spitzenreiter der NLB. «Die Stäfner waren immer vor uns, jetzt hat sich das geändert», sagt SG-Coach Predrag «Pedja» Milicic zur Tabellensituation.

«Zurecht ganz oben»

Dass Wädenswil/Horgen aktuell die zweithöchste Spielklasse anführt, kommt für Philipp Seitle nicht überraschend. «Das Team sah ich schon vor dem Saisonstart als Favorit und es steht zurecht ganz oben», sagt Stäfas Trainer. «Die Mannschaft hat sich in den letzten zwei, drei Jahren enorm weiterentwickelt.» Das strebt Seitle mit seiner auf diese Saison hin verjüngten Equipe ebenfalls an. Die Rechtsufrigen stecken noch im Entwicklungsprozess, haben aber bereits Fortschritte gemacht.

Die Linksufrigen hingegen haben sich gefunden. «Wir machen momentan Vieles gut», hebt ihr Trainer hervor. Nach sechs Meisterschaftsrunden weisen sie das beste Torverhältnis aus. Angeführt von Liga-Topskorer Sandro (58 Treffer) und Goalgetter Simon Gantner (40) haben sie am meisten Treffer (180) erzielt, aber auch am wenigsten (138) kassiert. «Das ganze Team arbeitet gut in der Verteidigung und unsere Torhüter sind im Tandem beide stark», sagt Milicic dazu. 

Die Festung verteidigen – oder erobern

Wädenswil/Horgen ist seit vier Spielen ungeschlagen. Am Dienstag rang der NLB-Leader im Cup-Achtelfinal den Ligakonkurrenten Steffisburg auswärts gleich mit 35:24 nieder. «Der Sieg in Stans letzte Woche hat uns mental noch mehr Stärke verliehen», betont Predrag Milicic. Seit zwölf Jahren hatte kein linksufriges Team mehr in der Eichlihalle gewonnen. Trotz der jüngsten Erfolge legt Milicic wert darauf, dass seine Spieler nicht abheben. «Es ist schön, dass wir vorne liegen, doch wir müssen ruhig bleiben, denn die Saison dauert noch lange», gibt er zu bedenken.

Die Stäfner mussten ihr Cup-Heimspiel am Mittwoch gegen Endingen wegen eines Corona-Falles innerhalb der NLA (ein Spieler von GC Amicitia Zürich wurde positiv getestet) kurzfristig verschieben. Sie legten stattdessen eine Trainingseinheit ein. Den Gelbschwarzen und ihrem Trainer ist bewusst, was sie in Horgen erwartet: «Ein schwieriges Spiel.» Um das Derby zu gewinnen, müsse seine Mannschaft eine sehr gute Leistung abliefern, ergänzt Seitle. 

Die Gastgeber wollen die Mini-Serie von zwei Siegen des Lokalrivalen brechen sowie ihre Festung – in der Waldegg haben sie zuletzt am 16. Dezember 2018 verloren, damals sinnigerweise gegen Stäfa (33:37) – und ihre Spitzenposition verteidigen. Milicic weiss um die Favoritenrolle seines Teams. Doch der Trainer mag darauf nicht eingehen und begründet sogleich, weshalb er ein spektakuläres Duell auf Augenhöhe erwartet: «Die Liga ist so ausgeglichen wie noch nie.» Und Stäfa sei bestimmt ein unangenehmer Gegner. «Denn speziell junge Spieler sind enorm gefährlich, wenn sie gut spielen.» Einen kleinen Seitenhieb kann sich Milicic allerdings nicht verkneifen: «Aber die Stäfner müssen sich schon überlegen, wie sie in der Waldegg wiedermal gewinnen können.» Das letzte Seederby am linken Ufer verloren die Gelbschwarzen in der vergangenen Saison Ende Februar 23:29.

Erstes «Masken-Derby»

Und da ist eben noch die Corona-Pandemie, die das Derby prägen wird. Die Stehplätze in der Waldegg müssen aufgrund der BAG-Bestimmungen leer bleiben. Zudem herrscht Maskenpflicht für alle Zuschauer und die SG-Verantwortlichen appellieren an sie, sich strikte an die Schutzkonzepte zu halten. Zudem sollen sich die Matchbesucher wenn möglich im Voraus via Mindful-App registrieren, um so längere Wartezeiten an den Kassen zu verhindern. Allgemein ist ein etwas früheres Eintreffen empfehlenswert. Um 18.00 Uhr beginnt das erste Seederby in Corona-Zeiten – es wird auch in dieser Hinsicht historisch.

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