Spielbericht NLB: SG Wädenswil/Horgen – STV Baden

Datum: 17. Oktober 2021

Die SG Wädenswil/Horgen bleibt auf der Siegerstrasse

Der NLB-Leader traf erstmals in dieser Saison auf ein Spitzenteam – und hat die ambitionierten Gäste aus Baden alles in allem souverän mit 28:24 in die Schranken gewiesen. Matschwinner des Abends waren nicht die Stürmer sondern die beiden Torhüter Milan Cucuz von Baden und der Überflieger des Abends Jonas Steiner von der SG Wädenswil/Horgen.

Geburtstagskind und Teamleder Simon Gantner nahm das Zepter gleich selber in die Hand und eröffnete den Torreigen für die Gastgeber. Das 6:3, sein dritter Treffer war zugleich eines der Sahnestücke des Spiels, das den 200 Zuschauern, je länger es dauerte, umso besseren Handball bot.

8 Minuten und 23 Sekunden sind noch zu spielen, als «Jooonas-Steiner»-Sprechchöre in der Horgner Sporthalle Waldegg erschallen. Der Goalie der SG Wädenswil/Horgen hat kurz davor einen Abschluss des Badener Flügels Michel Hildebrandt aus nächster Nähe abgewehrt. Es ist Steiners 20. und zugleich letzte Parade an diesem Abend. Dass er nach Matchende die Auszeichnung als bester Spieler seines Teams, überreicht von der Boardercrosserin Sophie Hediger aus dem Swiss Ski Team bekommt, erscheint angesichts seiner Quote von 55 Prozent abgewehrter Schüsse schon fast Formsache.

«Baden hat es sehr oft über seine Flügel versucht – ihre Aktionen konnte ich sehr gut lesen», kommentierte Steiner hernach, «mir ist es im ganzen Match recht gut gelaufen.» Ganz der Teamplayer, der er ist, verwies er selbstredend auf die Unterstützung durch seine Vorderleute: «Wir haben gut und kompakt verteidigt, sodass die Badener oft auch aus schlechten Positionen den Abschluss gesucht haben.» Manchmal helfe das Team in der Verteidigung dem Goalie mehr, «und manchmal hilft der Goalie dem Team mehr», fügte der 29-Jährige lachend an.

Dabei hatte es zu Beginn der Partie noch ganz danach ausgesehen, als könne die SG Wädenswil/Horgen gegen den Viertplatzierten im sechsten Saisonspiel mühelos einen weiteren Sieg einfahren. Unter der Anleitung des glänzenden Rückraum-Regisseurs Simon Gantner herrschte im Angriffsspiel der Linksufrigen enorm viel Bewegung mit häufigem Kreuzen und Positionswechseln, schnellen, variablen Pässen. Obwohl die Badener so gut wie keine schnellen Gegenstösse zuliessen und meist Zeit hatten, ihre Abwehr zu formieren, fanden die Einheimischen immer wieder eine Lücke – und mit ihren sicheren Abschlüssen den Weg zum Torerfolg. Da sie zudem hinten solide verteidigten, lagen sie bald einmal mit drei, vier Toren voraus. Doch nach dem 10:6 durch Adrian Karlen, den zweiten von insgesamt sechs Treffern des rechten Flügels an diesem Abend, riss bei den Linksufrigen vorübergehend der Faden.

Bis zur Pause kamen die Badener so bis auf zwei Tore heran, nach dem Seitenwechsel glichen sie zum 13:13 erstmals aus. «In der Phase haben wir ein paar einfache Gegentore kassiert, durch Gegenstösse und in der Mitte», kommentierte Wädenswil/Horgen-Goalie Jonas Steiner, «aber dass es so eng geworden ist, hat uns nicht weiter überrascht. Aber es spricht für uns, dass wir die Ruhe bewahrt und uns auf unser Spiel konzentriert haben – da merkt man, dass wir als Team in den letzten Nationalliga-B-Jahren viel erfahrener geworden sind.» So überstanden Steiner und seine Vorderleute auch die heikle Phase und nutzten eine Zweiminuten-Strafe der Gäste aus, um sich nach dem 15:15 wieder eine Führung aufzubauen.

Baden kann nach 45 Minuten nicht mehr mithalten.

Bis zum 19:17 blieb Baden noch dran, hatte dann aber dem Angriffswirbel der SG Wädenswil/Horgen, die nun wieder sehr variabel und häufiger über die Flügel den Weg zum Tor suchte, wenig entgegenzusetzen. Am Ende konnten sich die 200 Fans in der Waldegg-Halle über den 28:24-Erfolg des Leaders freuen der sogar noch höher hätte ausfallen können.

SG-Cheftrainer Predrag Milicic äusserte sich nach der erfolgreichen Standortbestimmung indes nicht speziell erleichtert. «Weil ich weiss, dass meine Mannschaft sehr gut gearbeitet hat, bin nicht überrascht, und darum auch nicht erleichtert», kommentierte er nüchtern. Wir haben das ganze Spiel auf einem sehr guten Niveau gespielt, lange Zeit fast perfekt.»

Dass der Gegner kurz nach der Pause gleichauf lag, änderte nichts an seinem Urteil. «Baden hat ein paar Spieler, die individuell sehr gefährlich sind», sie zu stoppen, braucht viel Aufwand.» Phasenweise habe sein Team zu wenig Druck aufs gegnerische Tor ausgeübt und zu statisch agiert. «Aber das ist menschlich, man kann nicht 60 Minuten lang perfekt sein.»

Über den gelungenen Saisonstart äusserte sich der Trainer zurückhaltend zufrieden: «Es ist okay, wir waren letzte Saison schon gut, harmonieren und machen ständig kleine Schritte nach vorne. Aber die Rechnung wird am Schluss gemacht. Und man sieht auch schon, dass die Liga von Platz 2 bis 8 wieder sehr ausgeglichen ist und es keine einfachen Gegner gibt.»

Hans Stapfer

NLB Wädenswil-Horgen - STV Baden (1)

NLB: Wädenswil-Horgen – STV Baden 28:24 (13:11)

Waldegghalle 200 Zuschauer; SR Fallegger/ Leu. – Torfolge: 4:2, 8:5, 10:6, 11:10, 13:11, 13:13, 18:17, 22:18, 26:21, 28:24.- Strafen: 2 x 2 Minuten gegen SG Wädi/Horgen, 7 x 2 Minuten gegen Baden. Rote Karte 52. Minute 3×2 Minuten für Zildzic.

Auszeit: Heim, 27. (12:10), 54. (25:19), Gast, 10. (7:4), 45. (19:17), 51. (24:18).

SG Wädenswil-Horgen: Andrjia Kasalo (nicht eingesetzt), Yves Imhof (54-60), Jonas Steiner (1-54); Fabian Pospisil (2), Sandro Gantner (6/1), Luzian Lechner (2), Daniel Gantner, Simon Gantner (4), Pascal Gantner (5), Yanick Schuler, Adrian Karlen (6), Nico Wolfer (3), Simon Kälin, Jerome Zuber.

STV Baden: Marco Wyss (1-10/50-60), Cucuz Milan; Küttel Janik, Bühler Pascal (4), Biffiger Francesco (2), Zuber Josef (2), Zildzic Amer (3), Klampt Kai, Voelkin Julius (5), Hildebrandt Michel (4), Ladan Karlo (4), Vizi Benjamin.

SG Wädenswil/Horgen ohne Tim Wünsch, David Kälin, Marc Kummer, Manuel Esposto alle 1. Liga

Artikel der ZSZ: https://www.zsz.ch/die-sg-waedenswil-horgen-schuettelt-den-ersten-verfolger-ab-550965578739

Peter Weiss

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