Während für die meisten Handballerinnen und Handballer nach Saisonende die Sommerpause beginnt, startete für zwei Nachwuchstalente aus der SGHW- und SG-Zürisee-Familie die intensivste Zeit des Jahres. Lotta Gerdsmeier und Enis Barbey vertraten die Schweiz an der Beachhandball-Europameisterschaft in Zagreb (Kroatien) – Lotta auf dem Spielfeld, Enis an der Seitenlinie als Trainer. Beachhandball entwickelt sich auch in der Schweiz zunehmend von einer Randsportart zu einer professionellen Disziplin. Mit dem neu gegründeten Beachhandball Club Rappi Jona wächst die Sportart zudem direkt vor unserer Haustür.
Für die FU18-Spielerin der SG Zürisee, Lotta Gerdsmeier, sowie den Erstligaspieler der SGHW, Enis Barbey, begann nach dem Ende der Hallensaison die Beachsaison mit zahlreichen Lehrgängen und Vorbereitungsturnieren. Der absolute Höhepunkt folgte mit der Europameisterschaft in Zagreb.
Bereits im vergangenen Jahr gehörten beide dem Schweizer Nationalkader an und wurden auch für die diesjährige EM erneut aufgeboten – allerdings teilweise in neuen Rollen.
Lotta führte die Schweizer FU17-Auswahl erneut als Kapitänin aufs Feld. Als Abwehrspielerin verhinderte sie Gegentore und übernahm im Angriff als Spezialistin Verantwortung für wichtige Treffer. Aufgrund ihrer starken Leistungen sowie einiger Verletzungen im Kader wurde sie zusätzlich ins Frauen-Nationalteam berufen. Nach der FU17-Europameisterschaft kämpfte sie mit den Aktiven um die Qualifikation für die Frauen-Europameisterschaft im kommenden Jahr.
Enis Barbey beschäftigte sich während seiner achtmonatigen Verletzung intensiv mit der Frage, wie sich der Beachhandball in der Schweiz weiterentwickeln lässt. Um den Sport weiter voranzubringen, bernahm er übergangsweise die Funktion des Trainers und erhielt prompt das Angebot, als Coach der FU17 an die Europameisterschaft zu reisen. Als Angriffstrainer der Schweizer FU17-Nationalmannschaft unterstützte er Lotta und ihre Teamkolleginnen dabei, mit spektakulären Spin-Shots und kreativen Spielzügen wichtige Punkte zu erzielen.
Sportlich verlief das Turnier nicht ganz nach Wunsch. Die FU17 belegte den 17. Rang, das Frauenteam erreichte Platz 13. Für ein Highlight aus Schweizer Sicht sorgte dennoch Zoé Güntert, die mit 156 Punkten den hervorragenden dritten Platz in der Torschützenliste der FU17-Europameisterschaft belegte.
Alle Spielerinnen, Spieler und Trainer hoffen nun, dass der Schweizerische Handball-Verband (SHV) die Ausweitung der Nachwuchsförderung auf die Kategorien U18 und U19 weiter vorantreibt. Ziel wäre es, sowohl den Nachwuchs- als auch den Aktivbereich langfristig international konkurrenzfähig zu machen. Damit würde der SHV dem Weg grosser Beachhandball-Nationen wie Spanien, Frankreich oder Deutschland folgen, die seit Jahren gezielt in die Entwicklung ihrer Nachwuchsprogramme investieren. Längst hat sich Beachhandball von einer Trendsportart zu einer professionell betriebenen Sportart entwickelt.
«Beachhandball ist nicht nur eine Alternative zum Hallenhandball – er ist die perfekte Ergänzung», sagt Nationaltrainer Enis Barbey. «Neben Ausdauer und Sprungkraft werden insbesondere Koordination sowie die Fuss- und Kniemuskulatur optimal trainiert.» Dazu kommen spektakuläre Tore, rasante Spielzüge und eine besondere Atmosphäre, die den Sport für Spielerinnen, Spieler und Zuschauer gleichermassen attraktiv macht. Aus dieser Begeisterung heraus gründete Enis Ende 2025 gemeinsam mit mehreren Mitstreitern den Beachhandball Club Rappi Jona. Bereits im ersten Vereinsjahr durfte der Club beachtliche Erfolge feiern: Während die Damen den hervorragenden dritten Platz an den Schweizer Meisterschaften erreichten, krönten sich die Herren auf Anhieb zum Schweizer Meister. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.bhc-rappi-jona.ch.
Also: Raus aus der Halle – und ab in den Sand!
