Spielbericht: NLB SG Wädenswil/Horgen – Handball Stäfa

Datum: 12. Dezember 2021

Handballfest und Derbysieg!

Die SG Wädenswil/Horgen baut die Serie im Zürichseederby auf 4 Siege in Folge aus. Über 350 Fans, Sponsoren und Supporter, ein spezielles Einlaufprozedere mit Scheinwerfern und Videoshow, ein für die NLB unüblich grosses Medienaufgebot und ein Team, das den Zuschauern die Startgetränke offeriert: das alles war beim Aufeinandertreffen der beiden NLB-Spitzenteams vom Zürichsee in der Horgner Waldegghalle Programm.

Für die Atmosphäre war gesorgt, da fehlte „nur“ noch die Leistung auf dem Spielfeld. Auch dort kam der SG-Motor schnell ins Laufen mit dem ersten Treffer von Adrian Karlen nach 50 Sekunden. Kurz darauf war allerdings auch bereits die Strafenstatistik eröffnen mit der ersten 2-Minuten Strafe für Daniel Gantner und dem damit verbundenen Ausgleichstreffer vom 7-Meter Punkt durch Francesco Ardielli.

Das Heimteam überstand die Unterzahlsituation allerdings gut und konnte durch einen Doppelschlag von Nico Wolfer dafür sorgen, dass das 2:2 Unentschieden das letzte Mal war, dass die Gäste auf der Anzeigetafel auf Augenhöhe mit den Platzherren waren. Bereits in der Analyse vor dem Spiel tauchte die Frage auf, ob Stäfas Trainer Philipp Seitle seine beliebte taktische Aufstellung mit 7 Feldspielern – und entsprechend verwaistem Tor – wagen würde, gegen das Team mit dem wohl schnellsten Umschaltspiel der Liga.

Nach gut 10 Spielminuten, beim Stand von 6:3 für die SGHW, wurde die Frage mit „ja“ beantwortet. Das Gästeteam kam bis zu diesem Zeitpunkt im Angriff nicht auf Touren, insbesondere auch, weil sich die Linksufrigen gut auf den Topscorer Mathias Müller eingestellt hatten und der sonst sehr zuverlässige Ardielli an den Torhütern der SG seine Zähne ausbiss. Die kompakte Defensive der SG Wädenswil/Horgen liess sich von der konstanten Unterzahl jedoch nicht beeindrucken. Ganz im Gegenteil: mit einem sehr starken Yves Imhof im Rückhalt verhinderten sie auch weiterhin Gegentreffer und konnten den Vorsprung in dieser Phase gar auf 14:6 ausbauen. Zwei Tore erzielte auch Torwart Imhof mit präzisen Würfen über das gesamte Feld. Damit trug er sich in der Torschützenliste sogar vor SGHW Topscorer Sandro Gantner ein, der für einmal im Abschluss nicht auf Touren kam und nur einen Treffer erzielen konnte. Nach dem vorerwähnten zweiten Treffer von Imhof über das gesamte Feld sah Seitle gezwungenermassen wieder vom Wechsel auf den 7. Feldspieler ab. Dadurch konnte der Rückstand stabilisiert, respektive bis zum 18:13 Pausenstand sogar leicht verringert werden.

Spannung bis kurz vor Schluss

Der Start in den zweiten Umgang passte aus Sicht der Gastgeber noch gut, erneut eröffnete Karlen den Score. Nach gut 40 Spielminuten fing jedoch die Angriffsmaschinerie der Gastgeber leicht zu schwächeln. Eine offensivere Deckungsweise der Stäfner störte die Kreise von Simon Gantner empfindlich und das Nachwuchstalent im Tor der Gäste, Ramon Kusnandar, zeichnete sich mehrfach aus und stellte auch den nominellen ersten Torwart, Patrick Murbach, deutlich in den Schatten.

Die entspannte Situation aus Sicht der SGHW und ihren Anhängern wich immer mehr einer leicht aufkommenden Nervosität. Spätestens nach einer Doppelparade von Kusnandar bei zwei freien Würfen, einer anschliessenden Strafe gegen Verteidigungschef Pascal Gantner und dem damit zusammenhängenden 4-Tore Lauf bis zum 24:23 Anschlusstreffer war die Partie neu lanciert und das Momentum schien auf die Seite der Gäste zu kippen. Doch erneut zeigte sich, weshalb die SG souverän an der Spitze der NLB steht. Während solche Situationen vor 2 Jahren diesem Team wohl noch zum Verhängnis geworden wären, konnten sich die Schützlinge von Milicic auf ihre Stärken besinnen und trotz drohendem Ausgleichstreffer die Nerven unter Kontrolle halten. Nur 5 Minuten später hatten sich die Platzherren bereits wieder ein Polster von 3 Toren aufgebaut.

Und kurz darauf war er da: der erste Treffer in der Partie durch Sandro Gantner. Ein wahrer Topspieler zeichnet sich dadurch aus, dass er auch in einem Spiel, in welchem es nicht wie gewünscht läuft in den entscheidenden Situationen Akzente setzen kann. Mit dem präzisen Abschluss zum 29:25 sorgte er knapp 4 Minuten vor Spielende für die Vorentscheidung. Die vom rechten Zürichseeufer angereisten Gäste schienen dies ebenfalls zu spüren und brachten ab diesem Zeitpunkt nicht mehr viel zu Stande. Mittels zwei Tempogegenstössen konnten Dani Gantner und Nico Wolfer unter Standing Ovation und „Derbysieg“-Sprechchören der lautstarken Fans gar noch zum 32:27 Schlussstand erhöhen.

Nach dem Abpfiff überwiegte der Jubel und die Spieler versammelten sich einmal mehr zu einem Freudentanz in der Hallenmitte. Ein schwieriges Los hatten die Verantwortlichen nach Spielende bei der Nomination zum „Best Player“. Verdient hätten es viele. Karlen und Wolfer mit 5, respektive 6  Treffern aus jeweils gleichvielen Versuchen oder auch Imhof mit 10 Paraden und damit einer Quote von 39%. Entgegen der Erwartung des Teams – die auf Imhof gesetzt hätten – entschied man sich aber für Spielmacher Simon Gantner, der nicht nur 7 persönliche Treffer aus 9 Versuchen zum Sieg beisteuerte, sondern auch viel für die Abschlusschancen seiner Mitspieler machte. Als schöne Geste schenkte er seine von „Taucherli“ gesponsorte Auszeichnung direkt an Yves Imhof weiter und zollte so dem in dieser Saison neu zur SG gestossenen Torwart seinen Respekt. Ein kleiner Ausdruck des Zusammenhalts in diesem Team, das die SG an die Spitze der Tabelle gebracht hat.

 

NLB: SG Wädenswil/Horgen – Handball Stäfa 32:27 (18:13)
Horgen Waldegg, 350 Zuschauer.
SR: Hardegger/Hardegger
Best Player: SGHW: Simon Gantner / Stäfa: Gulliver Stocker

Strafen: 2*2 Min SGHW, 1*2 Min Stäfa

SG Wädenswil/Horgen: Imhof (10 Paraden/39%)/Steiner (7 Paraden/39%), Esposto, Gantner D. (2), Gantner P., Gantner Sa. (1), Gantner Si. (7/2), Kälin D., Kälin S. (1), Karlen (5), Lechner (2), Pospisil (4), Schuler (2), Wolfer (6), Zuber

Handball Stäfa: Kusnandar (9 Paraden/26%), Murbach (1 Parade/15%), Ardielli (4/2), Bächtiger (2), Barth, Martis, Müller (3), Nishida (3), Rinderknecht (2), Rohde, Schmidt (3), Stocker (7/3), Vernier (2), Von Dach, Zeller, Zimmermann (1)

Seederby SG Wädenswil_HOrgen - Handball Stäfa_2568

Teilen: